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Montag, August 16, 2004

Mao hat frei

Da wir nach vier Wochen Peking unglaublicherweise immer noch nicht den großen Mao in seinem Mausoleum am Tian'Anmen-Platz besucht hatten, sollte heute am letzten Tag noch die Gelegenheit dazu genutzt werden. Doch als wir dort ankamen, deutete schon die nicht vorhandene Schlange um den ganzen Platz an, daß Mao heute wohl frei hatte um seinen Teint mal wieder ein bisschen aufzufrischen.
Also hatten wir genu Zeit um auf dem Platz des himmlischen Friedens nochmal ein paar Abschiedsfotos zu machen, ganz zur Freude der Chinesen: Die fanden unsere Idee, sich vor dem Tian'Anmen-Tor der Größe nach sortiert aufzustellen so toll, daß wir uns jetzt in unzähligen chinesischen Fotoalben wiederfinden dürften. Ein Chinese wollte sogar unbedingt mit aufs Foto und ließ den denkwürdigen Augenblick dann auch gleich noch mehrmals mit seinem eigenen Fotoapparrat festhalten.
Nach einer letzten Fahrt im Bus verteilten wir uns dann über die Stadt, um all die Dinge zu kaufen, die man zwar die ganze Zeit schon kaufen wollte, es aber auf den letzten Tag aufgeschoben hat. Bei mir waren das noch ein paar CDs, Eßstäbchen und das rote Feuerzeug mit Mao-Portrait, das bei Benutzung auch gleich noch eine Melodie abspielt. Auf dem Markt bekam ich das ungemein kultige Ding dann für einen Sonderpreis, da ich es für Hannah gleich auch noch mitbringen sollte.
Bei dieser Einkauftour bemerkte ich, daß ich am letzten Tag eigentlich zum ersten mal ganz alleine in den Straßen von Peking unterwegs war und hatte so Zeit, mich von der Stadt und den ganzen Eindrücken der letzten Wochen schon einmal zu verabschieden. Am Tian'Anmen vorbei ging ich nochmal zur großen Einkaufsstraße Wang-Fujing und fuhr dann mit dem Taxi zur Altstadt. Und genauso wir mir Peking in den ersten Tagen total surreal vorgekommen war, war dies jetzt auch irgendwie der Gedanke, in zwei Tagen wieder zu Hause in Deutschland in meinem Zimmer zu sitzen.
Am Nachmittag wieder zu Hause, wurde die Abreise dann doch wieder ganz real: Die Koffer mussten gepackt werden - und ich war wirklich froh, mir noch einen "Original Samsonite"-Trolley für meine Mitbringsel gekauft zu haben. Gerüchten zu Folge gab es im Wohnheim irgendwo eine Waage, doch irgendwie stellte sich das Wiegen als zu kompliziert heraus. Und so hofften wir, doch nicht allzuviel Übergepäck zu haben und legten schonmal eine Reihenfolge der Dinge fest, die wir bei attestiertem Übergepäck wegwerfen würden.+
Am Abend besuchten wir mit etwa zehn Leuten unser Lieblingsrestaurant, wo wir in einem separaten Raum mit großem runden Tisch noch einmal richtig zuschlugen: Zu den üblichen Scampi und Reisgerichten gab es noch einen großen Fisch und Hummer. - Von der Qualität des letzteren durfte sich Stefan kurz vor der Zubereitung noch einmal selbst überzeugen, als ein Kellner mit dem noch lebenden Tier in einer Plastiktüte zu ihm an den Platz kam.

Samstag, August 14, 2004

Das Ding mit den Ming

Die letzte organisierte Fahrt fuehrte uns heute zu den Ming-Gräbern ausserhalb der Stadt. Vielen Stimmen nach sollten die Mitte des letztes Jahrhunderts ausgegrabenen und wieder zugänglich gemachten Gräber ein Highlight eines jeden Peking-Aufenthaltes sein. – Das konnte man dann sehen wie man wollte…
Um halb zehn kamen wir, alle etwas verschlafen, mit dem Bus an den Gräbern an und machten uns sofort auf den Weg zum Eingang des Dingling-Grabanlage, dem wohl groessten der dreizehn Gräber. Zusammen mit Unmengen von Chinesen und asiatischen Touristen schoben wir uns nach einer Flughafen –maessigen Sicherheitsdurchleuchtung durch ein Treppenhaus, das den Charme eines U-Bahn-Einganges versprühte, etwa 30 Meter in die Tiefe. Unten erwartete uns dann eine Haupt-, zwei Neben- und drei Mittelkammern, durch die das grosse Schieben dann weiterging. In einer der Mittelkammern waren verschiedene Marmorthrone des Kaiers zu sehen, in der Hauptkammer dann die abgedeckten Graeber. Beindruckend war dann noch ein etwa 7 Meter hohes Marmortor am Haupteingang des Grabes. Nach ein paar Minuten wurden wir wieder mit der Menge nach draussen gespuelt.
In der Aussicht, dass dies erst das erste der vielen Graeber war, liefen wir zurueck auf den Vorplatz und suchten nach dem „Sacred Way“, einer Strasse mit riesigen Steinstatuen die es vor allem Lara angetan hatte (ich sage nur: lebensgrosse Steinelefanten). Wie die uebrigen Graeber auch, war diese aber etwa 2-3 Kilometer in dem weitlaeufigen Gelaende entfernt. Nicht gerade begeistert warteten wir dann die naechste Stunde auf die Abfahrt des Busses und waren gegen Mittag wieder an der Uni. Alles in allem wohl der Ausflug, der die in ihn gesetzten Erwartungen am wenigsten erfuellen konnte.
Abends zogen wir dann mit 10-15 Leuten in die Lotus Lane, die Kneipenstrasse am Ufer eines Sees gegenueber dem Beihei-Park. Wie erwartet waren die Cocktail-Preise am Wochenende ungleich hoeher zu dem in der Woche gezahlten, also wendeten wir hier gleich unsere mittlerweile perfektionierten Verhandunglungskuenste an – und drueckten den Long-Island-Ice-Tea-Preis von 60 auf 45 Yuan. Felix hatte zwischendurch mal wieder Hunger und so fanden wir an einem der leckeren chinesischen Spezialitaetenstaende wieder und konnten mit ansehen, wie er (teilweise unterstuetzt von Franzi) neben einem Spiess mit gebratenen Skorpionen auch noch etwas Octopus und Schlange verdrueckte. Zur spaeteren Stunde ging es dann mit dem harten Kern ins „Blue Lotus“, einen Mix aus Kneipe und Tanzschuppen, in dem wir den Rest des Tages dann noch tanzend oder chillend verbrachten.

Freitag, August 13, 2004

Konfuzius sagt...

Trotz der kurzen Nacht wachten wir heute morgen dann doch schon puenktlich um 9:00 Uhr auf - das lag aber nicht an unserer Frische, sondern eher an den Handwerkern, die sich in unserem Etagenbad lautstark ans Werk machten. Aus dem Gang zur Dusche wurde es also auf unserer Etage nichts, mussten wir halt ausweichen. Aber wohin? Die vierte Etage unter uns war komplett leer, alles abgeschlossen. In der dritten war es ebenso, man koennte meinen nach unserer Abreise am Dienstag gehen im Wohnheim erstmal die Lichter aus.
Mit Steffi, Mareike und Andrea machten wir uns dann per Taxi auf den Weg zum Lama- und Konfiziustempel. Mittlerweile kann man bei uns ja schon eine leichte Tempelmuedigkeit feststellen, aber diese beiden schafften es dann doch uns zu begeistern. Aufgrund des erst noch kommenden Wochenendes waren in den Tempeln die ansonsten zahlreich vorhandenen Touristen noch nicht eingefallen. Einen Grossteil der Besucher stellten Buddhisten, die aus Glaubensgruenden im Tempel waren. Allein das war ein eindrucksvolles Erlebnis: Mit einem dicken Buendel Rauecherstaebchen ausgestattet pilgerten diese von Altar zu Altar und sorgten ueberall fuer eine reichlich rauchgeschwaengerte Luft. Zusammen mit der in einigen Tempelbereichen zu hoerenden Musik konnte man so zum ersten Mal beim Besuch eines Tempels wirklich die Ruhe und Entspannung spueren, die bisher immer gefehlt hatte. So besichtigten wir, immer mal wieder von ein paar Pausen unterbrochen, von der Suedseite her die auf einer Sued-Nord-Achse aufgereihten Altaere. Der eindrucksvollste war sicherlich der Letzte: Hier stand mit 26 Metern Hoehe der groeeste aus einem Stueck Holz geschaffenne Buddha der Welt.
Der Konfuziustempel beeindruckte dann noch mit der trickreich archivierten Sammlung der 13 groessten Werke des Philosophen: Damit sich seine Schueler stets mit den Schriften des Meisters versorgen konnten, standen auf dem Tempelgelaende 198 Steinsteelen mit eingeritzten Zeichen. Fuer eine Kopie war also nur der Abrieb auf einem Stueck Papier noetig.

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