Chinese land, population and ethnic issues
Ich hatte immer ein voellig falsches Bild von China. Endlich, durch die Vorlesungen, kann ich hier erfahren, dass China eigentlich das beste, toleranteste und fortschrittlichste Land der Welt ist - zumindest versucht man und das zu verklickern.Zunaechst wurde uns eine Karte mit dem chinesischen Grenzverlauf gezeigt - aus unserer Sicht wahrscheinlich so, als wuerde man eine Karte vom deutschen Reich zeigen und das den Chinesen als die heutigen Staatsgrenzen verkaufen. Taiwan, Tibet, die umstrittenen Gebiete in der Mongolei - natuerlich alles Teile des Landes der Mitte.China hat 15 angrenzende Nachbarstaaten, wozu Japan natuerlich nicht zaehlt, denn Japan ist ja eine Inselgruppe - mit den Japanern etwas teilen zu muessen, und sei es eine gemeinsame Grenze, ist fuer die Chinesen anscheinend das schlimmste, was sein kann. Das Problem ist, dass es nie eine Aussoehnung zwischen China und Japan gegeben hat, wie es sie mit den deutschen Nachbaarstaaten und dem kriegsverursachenden Deutschland gibt.Jede Menge Zahlen und Fakten zur Bevoelkerungsentwicklung wurden uns praesentiert. Wegen der 1,3 Milliarden Menschen in China ist die Familienplanung vom Staat aus reglementiert. Abgesehen von einigen mitgliedsschwachen ethnischen Randgruppen duerfen Ehepaare nur ein Kind bekommen. Verstoesse koennen den Verlust des Arbeitsplatzes zur Folge haben. Diese harte Regelung leuchtet einem ein, wenn man diese unglaubliche Zahl von 1.300.000.000 mal vor sich sieht, aber im ersten Moment macht man sich ja gra nicht klar, was das im Endeffekt heisst: im Grunde koennen die Worte fuer Bruder und Schwester sowie fuer Onkel, Tante, Nichte, Neffe, Schwager, Schwaegerin usw. komplett aus dem Wortschatz entfernt werden: diese Verwandschaftsbeziehungen gibt es einfach in China (fast) nicht mehr."It's the governments policy, that ethnic minorities are supported", und von denen gibt es immerhin 56 in China. Mich wunderte ja erst, dass diese Minderheiten unterstuetzt werden (sollen), aber die Dozentin war so liberal durchblicken zu lassen, dass zwischen Reden und Handeln auch in China unterschieden werden muss. "A land of contrary positions", in der Tat.Beim Ausflug in die Geschichte der Bevoelkerungsentwicklung haben wir im Zusammenhang mit Intellektuellen, die Mao Vorschlaege zur Koordinierung der Bevoelkerungsentwicklung gemacht haben, einen schoenen neuen Euphemismus gelernt: "They puttted him into jail" - diese von der Rednerin des Vortages schon benutzte Umschreibung heisst wohl nichts anderes als: "Er wurde dafuer vom Staat ermordet". Aber wir wollen ja nicht unhoeflich sein (s. Vortag).Inzwischen haben wir unsere Mensa-Karten bekommen. Aus mehr als einem Dutzend Gerichten kann man hier waehlen, dazu Reis, Hefekloesse (also nicht wirklich Kloesse - die genaue Beschreibung kommt, sobald ich mal einen gegessen habe), verschiedenstes Gebaeck zum Nachtisch - und so kann man sich fuer 3,5 Yuan (35 Eurocent) ein ueppiges Mittagessen zusammenstellen - vielleicht sollte die FH nicht nur auf Studenten-, sonder auch auf Mensakoch-Ebene ein Austasuchprogramm anregen (die armene Chinesen...).Kalligrafie stand fuer diesen Nachmittag auf dem Programm. Die Kunst, chinesische Schriftzeichen mit Tuschefeder und Tinte zu malen. Es ist halt Kunst, also nicht so ganz mein Fall - weder was das Erkennen der Estethik des Abstrakten angeht, noch die praktische Umsetzung. Spass gemacht hat es trotzdem, nicht zuletzt wegen dem sehr guten Dozenten, der seine eigene Freude am Fach sehr gut vermitteln konnte.Das International-Student-Center plant ja einige Ausfluege mit allen Gaesten; heute sind wir zu einer Opernauffuehrung gekarrt worden.Wie Daniel so schoen sagte: "Das Buehnenbild ist noch puristischer als bei Brechts " - und so wird die Phantasie gefordert. Das in einer unfassbar quietschigen Tonlage gesungene und gesprochene Stueck wurde durch wunderbare pantomimische Darstellung ergaenzt. In einem weiteren Teil wurde Akrobatik der Spitzenklasse gezeigt: die Salti schlagenden Maenner und die dargebotene Jonglage mit Stangen gaben ein Bild ab, das schon unwirklich und "unmenschlich" wirkte. Eine wirklich grandiose Vorstellung - und das in einer kurzen Touristenfassung von ca. einer Stunde. Geruechteweise dauert die Pekingoper ja bis zu 6 Stunden.Den angebrochenen Abend wollten wir dann noch nutzen, um etwas trinken zu gehen. Sarah und Lara haben das "Vics" zuvor entdeckt, an dem Mittwochs Ladiesnight ist. Es stellte sich heraus, dass das Vics anscheinend die Nobeldisco Pekings ist: mit 20 Yuan Eintritt und Preisen von 25 Yuan fuer ein Bier sind die Zielgruppen offensichtlich die reichen Pekinger und Auslaender. Eine solche multikulturelle Mischung an Menschen findet man wahrscheinlich nur sehr selten. "Ladiesnight" bedeutete, dass einige Shortdrinks fuer die Frauen umsonst waren, und so hat sich Lara schon gewuenscht, dass wir naechsten Mittwoch im Vics in ihren Geburtstag rein feiern.

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