Lesen für Asien - Alle Einnahmen der Shops gehen an das Deutsche Rote Kreuz

Freitag, Juli 23, 2004

Is' ja kein Urlaub, is' ja Summer School

Aber die wurde heute langsam angegangen, bzw. nur vorgestellt. Mr. Yang (oder so aehnlich), seines Zeichens stellvertretender Dekan der School for Economics, empfing uns heute in dem Gebaeude, in dem wir in den naechsten drei Wochen ab Montag Vorlesungen ueber chinesische Geschichte, Wirtschaft und Kultur haben werden  und auch Unterricht in Mandarin und Kalligrafiestunden - das Programm hoert sich zumindest sehr gut an.Da wir bis heute morgen immer noch keinen Yuan Geld in der Tasche hatten, hat uns Yu alle zusammen per Bus zur Bank of China gefuehrt. Ueberschlagen hat sich da niemand, aber zumindest haben wir nach etwas ueber einen Stunde alle unsere Travellerschecks, Euro und Dollar getauscht bekommen - zum amtlich festgesetzten Wechselkurs, der ziemlich genau bei 1:10 (1 EUR = 10 Yuan) liegt. Dabei gibt es im Grunde wenig Muenzverkehr, da die kleinsten Scheine einen Wert von 0,1 Yuan haben (und trotzdem mit "1" beschriftet sind - sehr verwirrend).Das Fotogeschaeft neben der Bank hat den Deal der Woche gemacht, da wir alle Passbilder fuer unsere chinesischen Studentenausweise brauchten. Und so haben wir jetzt alle 6 Passbilder und zwei Negative - voellig durchgeschwitzt und abgekaempft, denn auch wenn es sich deutlich abgekuehlt hat, stehen wir immer noch im eigenen Saft.Am Nachmittag haben wir uns dann aufgemacht Richtung Stadt - und haben uns zu diesem Zweck ein Taxi herangewunken. Wenn man als Fussgaenger schon einen Eindruck davon bekommt, dass der Verkehr recht chaotisch ist, so hatte ich als Beifahrer ohne Anschnallmoeglichkeit ein Liveerlebnis, bei dem man einfach das Denken sein lassen muss. Jede Zeitung haette es zwischen unserem Taxi und den anderen Fahrzeugen zerfetzt. Und man bekommt ein Gefuehl dafuer, dass, wenn man eine Strasse ueberqurt, in keiner Weise darauf bauen sollte, dass die Autofahrer ruecksichtsvoll sind - Ampeln und erst recht Zebrastreifen zum Trotz.Jedenfalls haben die chinesischen Schriftzeichen, die uns Yu aufgeschrieben hat, den Taxifahrer tatsaechlich dazu veranlasst, uns in die Stadtmitte zu bringen. Hunger vor uns her schiebend sind wir dann in einem Restaurant im "Henderson Shopping Center", dem "Be there or be square" eingekehrt - wie wir inzwischen im Reisefuehrer gelesen haben das super-trendy Restaurant fuer junge Leute. Und natuerlich haben wir schoen mit Staebchen gegessen, selbst mein Klebereis war, so lange er nicht mit der Sauce in Beruehrung kam, greifbar. Ich war gerade so stolz, dass ich trotz der Staebchen den Teller leer und meinen Magen gefuellt bekam, als mir der Kellner unaufgefordert einen Loeffel brachte - was fuer eine Demuetigung ;-)

Angekommen...

... und das schon seit gestern. Der Reisefuehrer sagt ja, dass die Fahrt vom Flughafen in die Stadt eher abschreckend sei ("Betonpiste in Richtung Smogwolke") aber bei der hohen Luftfeuchtigkeit gibt es tatsaechlich mehr gruen als erwartet.
Und der Dunst sei "fog, not smog", sagte "Susan" (dankt fuer die englischen Namen, die sich die Chinesen selbst verpassen) sehr zuversichtlich, da ja im Blick auf die Olympiade 2008 der ganze Dreck aus der Stadt raus verlagert wird.
Am "International Students Center" angekommen, haben wir schnell erfahren, dass nicht ausreichend Zimmer mit eigener Dusche und WC fuer alle da sind - und einige waren sogar verwundert, wo doch alles durch und durch von GE aus organisiert war ;-)
Daniel und ich haben dann mal ein Zimmer im Studentenwohnheim ohne Bad genommen, bzw. mit Dusche und WC auf dem Flur, was aber voellig ok ist, da alles zwar arg schlicht aber sauber ist.
Hauptsache die Klimaanlage funzt - und das tut sie wunderbar. Wenn man sich aus dem Zimmer bewegt laeuft man erst mal vor eine Wand (sicherlich super fuer den Kreislauf).
Mit allen 25 Mitreisenden ging es abends im grossen Trott Richtung Bank, die dann auch prompt ob des Ansturms nichts wechseln wollte.
Die Yuan, die einige schon zuvor getauscht hatten, haben wir aufgeteilt und im naechsten Supermarkt in Lebensmittel umgesetzt - erst nal sehr zurueckhaltend, denn es gibt wirklich viele undefinierbare Sachen im Supermarkt. Auch sehr ungewoehnliche, z. B. klaren Alkohol in 5l-Kanistern - zum Glueck hat mich dann doch noch jemand darauf hingewiesen, dass rings rum nur Schnappes stand. Am Preis konnte man es jedenfalls nicht sehen.
Abends haben Daniel und ich noch "eine Runde um den Block" gedreht. Die Bloecke hier sind schon gross, und 1 Stunde Fussmarsch durchs abendliche Treiben auf den Gehwegen und Strassenraendern hat dann auch mit dazu beigetragen, dass die Zeitverschiebung sich nicht wirklich ausgewirkt hat.
Selbst auf dieser brettharten Matratze bin ich sofort eingepennt. "Daniel, hast du Mueckenzeug genommen?" irgendwie zwischen dieser Frage und Daniels Antwort "Ne, jetzt nicht, aber ich hab Autan bei" bin ich wohl weg gewesen, was mich zu der Frage brachte: "Was ist mit Autan? Hast du was gesagt?" und bis morgens um 7.15 war dann Stille - zumindest fuer mich. Die anderen Zimmer auf unserem Flur konnten wohl wegen irgendwelchem Krach auf dem Gang nicht einschlafen.

Endlich da

Tja, da waeren wir nun, nach einem ueber 11 Stunden langen Flug in einem sehr bequemen Flugzeug (und das ist nicht gelogen) sind wir in Peking angekommen. Beim Aussteigen aus dem Flugzeug gab es gleich den ersten Schock: Von der klimatisierten Kuehle im Flugzeug ab in die Pekinger Luft, die man zuerst gar nicht atmen konnte. Laut den uns empfangenden Chinesen einer der heissesten Tage der letzten Zeit, aber  wer weiss, ob die das nicht nur zur beruhigung sagen... Nach umfangreicher Pass- und weniger umfangreicher SARS-Kontrolle (Waermebildkamera) und einer wieder gut klimatisierten Fahrt im Bus kamen wir an und standen gleich vor einem Meisterwerk der Organisation: Aus der von zu Hause aus geplanten Verteilung der Teilnehmer auf das Uni-Hotel und Wohnheim wurde nichts, zehn Leute kamen ins Hotel, fuer den Rest war nichts mehr frei. Der Rest durfte sich ins Wohnheim einquartieren - zwei Zimmer mit Bad, der Rest mit Dusche und Toilette auf dem Flur. Lara und Sarah ergatterten eines der begehrten Hotelzimmer, Stefan und ich sind jetzt erstmal im Wohnheim.
Nach einem kurzen Stadtbummel verabschiedeten wir uns von den Maedels und kamen vor dem Wohnheim noch auf die Idee uns nach einem Internetcafe umzusehen. Also stiefelten Stefan und ich mit einem Laptop unter dem Arm durch die inzwischen dunklen, aber keinesfalls menschenleeren Strassen von Peking (mutig, mutig). Wegen der tagsueber bruetenden Hitze hatten es sich die Chinesen nun in der abendlichen Hitze ueberall da gemuetlich gemacht, wo sich auch nur der kleinste angenehme Platz bot: Auf dem Mauern an den Strassen, vor den Kneipen oder im Gebuesch. Nach einer einstuendigen "kleinen Runde um den Block" hatten wir zwar mehr als ein dutzend Frisoersalons und ein McDonalds gefunden (Cheeseburger 0,3EUR, BigMacs 1EUR), aber immer noch kein Internetcafe. Mit ziemlich mueden Fuessen und von der Waerme immer noch total durchgeschwitzt machten wir uns auf dem Weg in die Dusche und brauchten danach keine fuenf Minuten, bis wir eingeschlafen waren.


Nach dem ersten Tag bei den Chinamenschen

Heute ist glaub ich Freitag und mittlerweile 22:10h.
Wir haben endlich ein Internetcade gefunden und sitzen gerade zu viert (wie man das von den Chinesen kennt) nebeneinander in einer Reihe und schreiben uns die Finger wund.
Ja, ein paar Erfahrungen haben wir schon gemacht. Die Kakerlaken krabbeln zwar nicht in unserem Bad herum, aber werden hier auf Spiessen auf dem Markt frisch frittiert verkauft.
Der Verkehr ist hier auch sehr gut geregelt. Als Fussgaenger nicht (!) nach links gucken, sondern Blick geradeaus, Augen zu und los!
Sarah und ich haben heute auch schon auf dem Markt gehandelt (ob erfolgreich oder nicht, naja.)
So das wars von mir erstmal an dieser Stelle.

Gruss Lara



Nedstat Basic - Kostenlose web site statistiken
Persönliche Homepage webseite Zähler