Kultur meets Popkultur
Geografie ist eine lustige Sache, ganz zu schweigen wenn es dabei um Gebiete geht, ueber die weltweit mehrere verschiedene Meinungen zu finden sind. Im heutigen Lehrteil unserer Summerschool wurden wir ueber die Topografie Chinas aus der Sicht der chinesischen Regierung aufgeklaert. Der hoechste Berg Chinas ist somit auch gleich der hoechste Berg der Welt (liegt in TIBET), die groesste Insel Chinas findet sich in westlichen Buechern unter dem Namen TAIWAN als eigener Staat wieder. Zudem muss es laut unserer Dozentin eine wahre Freude sein als Minderheit in China zu leben: Natuerlich respektiert die chinesische Regierung die Sprache und Kultur der 18 anerkannten Minderheiten.
Es ist teilweise sehr schwer, hier den Vortraegen der Dozenten zu lauschen ohne seine eigene Meinung zu sehr nach Aussen wirken zu lassen. Ein starkes Husten bei der Nennung TAIWANs als groesste Insel oder eine Zwischenfrage zum Thema "Freiheit der kulturellen Entfaltung in Tibet" sind hier wohl das Maximum an Moeglichkeiten, die sich zur Einmischung bieten. Interessanterweise kann man aber auch an der Sprache des jeweiligen Dozenten ablesen, ob er seine persoenliche, linientreue Meinung referiert oder aber eher die offizielle Linie wiedergibt weil es seine Pflicht ist.
Die Kaligrafiestunden am Nachmittag bescherten uns dann den bisher wohl besten Dozenten, mit sehr viel Enthusiamus fuehrte er uns in die Grundkentnisse der chinesischen Schrift ein. Als wir dann mit Tusche und Pinsel am Ende selbst unsere ersten Zeichen zu Papier bringen konnten, hatte er natuerlich alle Anwesenden auf seiner Seite. Die bei vielen anderen Dozenten meist mit einem freudigen "Yes!" beantwortete Frage ueber den Wunsch nach einer Pause wurde heute zum ersten mal einstimmig mit einem Nein beantwortet.
Im Laufe des Tages verdichteten sich die Geruechte ueber den abendlichen Besuch der Peking-Oper, zusammen mit unserer Gruppe und vielen anderen Studenten aus dem Wohnheim ging es per Bus in Richtung City. In den meisten Buechern wird eine Peking-Oper als 5-6 stuendiger Marathon aus Gesang, Musik, Akrobtatik und KungFu beschrieben, bei dem selbst viele Chinesen nach der Haelfte der Zeit schon nach Hause aufberechen. Darueber, dass die erwartete Zeit dann doch nicht erreicht wurde (unsere Vorstellung dauerte eine knappe Stunde), waren die Meinungen unserer Mitbesucher dann aber etwas geteilt ;-)
Nach dem ersten Essen in der Uni-Mensa am Mittag hatten wir nun doch mal wieder Hunger auf etwas europaeisches (oder auch nicht ;-) und goennten uns auf dem Weg zur Pekinger ExPat-Disco "Vics" ein BigMacMenu fuer schlappe 17 Yuan, also umgerechnet nur 1,70 Euro. Fuer chinesische Verhaeltnisse mag das auch schon nicht billig sein, dafuer waren die Preise in der Disco dann noch gesalzener: 20 Yuan Einritt, ein Bier 25 Yuan und Cocktails fuer 30-45 Yuan. Fuer uns Europaer Preise wie zu Hause bei einer Happy-Hour, aber aus der Sicht eines Chinesen kommt man fuer den Preis eines kompletten Abendessen mit vier Personen gerade einmal rein in den Laden und trinkt zwei Bier. Dementsprechend sahen auch die Gaeste aus: Neben vielleicht 30% Upper-Class-Chinesen treffen sich hier die Reisenden und beruflich in Peking Lebenden aller Nationen. Mehr Mult-Kulti habe ich in einem solchen Laden bisher noch nicht gesehen...

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