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Freitag, August 06, 2004

Besichtigung einer deutschen Firma in Beijing

Der vormittagliche Unterricht befasste sich heute mit... ...mit... ...sorry, ich musste erst mal in den Stundenplan gucken: "Comparison between oriental and western enterprises.". Aber so wirklich aufnahmenfaehig war ich nicht, und der dargebotenen Praesentation konnte ich kaum folgen. Wir bekamen eine VideoCD ueber die Blumenindustrie in China zu sehen und einige Fakten per PowerPoint-Folien ueber die Unterschiede im Management, bei der Motivation, etc. Die Antwort auf die folgende Frage "Wie tituliert China seine Marktwirtschaft? Als Sozailismus oder Kapitalismus?" hat mir an diesem Vormittag allerdings sehr gefallen: "Egal, wie man es nennt, wir benennen es besser gar nicht, Hauptsache, wir erreichen fuer alle Fortschritt und Wohlstand."
Um uns dann vom Fortschritt zu ueberzeugen, sind wir am Nachmittag in ein grosses, mit auch vielen internationalen Firmen bestuecktes Industriegebiet gefahren. Die BDA (Beijing Economic-Technological Development Area) soll in ihrem endgueltigen Ausbaustadium eine Flaeche von 200 qkm umfassen und neben Buero- und Werksgebaeuden auch eine Wohnstaette fuer knapp 500.000 Menschen sein - alles in den letzten und kommenden 10 Jahren aus dem Boden gestampft. Im Verwaltungsgebauede der BDA wurden wir zunaechst vom Vicepresident for international Affairs begrueest und mit einer Praesentation mit den Fakten vertraut gemacht. Es wird anscheinend sehr viel Wert darauf gelegt, dass in diesem neuen Industriegebiet keine Fabriken entstehen, die die Umwelt belasten, genug Gruenflaechen vorhanden sind (ueber 40%) und wirklich renommierte Firmen angesiedelt werden.
Im naechsten Jahr will Daimler in im BDA 1.300.000.000 USD investieren und dort fuer China Autos produzieren. Bei der Fahrt durch das Industriegebiet haben wir Firmenschilder von Coca-Cola, McDonalds, Bayer, Nokia, GE, Walls (Langnese), BMW, NCR, etc. gesehen. Und dann hatten wir einen Besichtigungstermine bei Hoermann, Hersteller von Toren und Tueren.Der zukuenftige deutsche Geschaeftsfuehrer hat mit seinem Assistenten die Firma vorgestellt. Sei vier Jahren ist Hoermann in China und produziert immer mehr verschiedene Tore und Tueren dort. Alle Produkte sind ausschliesslich fuer den chinesischen Markt bestimmt, da dieser ganz besondere Anforderungen stellt. So wird in China erst nach und nach auf Feuerschutz geachtet, Normen fuer z. B. Tuergroessen fehlen komplett. Ganz witzig ist, dass Hoermann ein grosses Tor in China nicht auf feuerfestigkeit zertifizieren lassen kann, da in China keine Feuerkammer existiert, in der so grosse Teile getestet werden koennen. Trotz der zum Teil schleppenden Buerokratie, mit der sich ausschlieich Chinesen im Unternehmen auseinandersetzen, sie die Firma Hoermann mit der Entwicklung auf dem chinesischen Markt sehr zufrieden, so konnte die Produktionsflaeche bereits nach zwei Jahren verdoppelt werden und inzwischen sei man wohl auf der Suche nach noch mehr Lagerplatz.
Uns interessierten natuerlich auch die finanziellen Aspekte, wie Lohn und Absatzmoeglichkeit von hochwertigen Produkten. Die Tore wuerden, so sagte man uns, in etwa zum gleichen Preis wie in Europa angeboten, weshalb ein Import von Europa aus oder aber auch der Export nach Europa nicht lukrativ seien. Verwunderlich ist das angesichts von 1.000 bis 1.500 Yuan Lohnkosten pro Arbeiter bei stark manueller Fertigung allerdings schon, zumal ja auch der Stahl recht guenstig aus China bezogen werden kann und die BDA sicherlich gut von der Regierung gesponsert wird, bzw. Grund und Boden sowie der Bau von Industriehallen auch nahe bei diesem sich mehr und mehr heruaskristallisierenden Faktor 10 liegen duerfte. Aber das sind freilich nur Spekulationen ;-)
In China soll man sich ja guenstig Anzeuge machen lassen koennen, und so war ich heute bei einem Schneider, dessen Adresse mir Yu gegeben hat. Sicher nicht die billigste Adresse, aber abgesehen davon, dass sowohl der Laden als auch der Schneider einen guten Eindruck machten, hat Anne auch schon ein fertiges Kleid bestellt und abgeholt, mit dem sie zufrieden ist. Also hab ich mich vermessen lassen und unter hunderten von Stoffballen einen hellgrauen ausgesucht, aus dem jetzt Jacke, Weste und Hose gefertigt werden. Ich bin mal sehr gespannt.

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